Die Entwicklung der Einstellungen der Eltern zur behinderung des Kindes
Ludmila Stodulková

Heutzutage betrifft das Problem der Arbeitslosigkeit alle wirtschaftlich entwickelte Länder. Das Beschäftigen der Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen stellte und stellt immer ein Problem dar, in dieser Lage erscheint es aber um so schwieriger.

Beim Anstellen der Menschen mit Behinderung sind bestimmte arbeitsmä3ige und persönliche Besonderheiten dieser Gruppe zu berücksichtigen. Fast immer sind besondere Arbeitsbedingungen sicherzustellen. Mit steigenden Bedürfnissen der Menschen mit Behinderung sinken Möglichkeiten ihrer beruflichen Tätigkeit. Es ist deshalb nötig, solche Lösungen zu suchen, die zur Eliminierung der Besonderheiten führen werden, die den Arbeitsgeber aber auch Menschen mit Behinderung beeinträchtigen. Lösungen, die im organisatorischen, materiellen und betrieblichen Bereich finanziell gangbare Möglichkeiten zur Beschäftigung von Menschen mit Beeinträchtigung gestalten zu helfen.

Angesichts der Kompliziertheit und Schwierigkeit der Problematik der Beschäftigung der Menschen mit einer “beruflichen Beeinträchtigung” und auch dem unterschiedlichen Herangehen an die Lösung dieser Frage in europäischen Ländern, werden unterschiedliche Bedingungen und Angelegenheiten zur Beschäftigung der Menschen mit gesundheitlicher Beeinträchtigung geschaffen. Zusammenarbeit, Informations- und Erfahrungsaustausch sowohl auf der theoretischen, als auch auf der praktischen Ebene, konkrete Erkenntnisse von Menschen mit Behinderung selbst und ihrer nächsten Umwelt und gemeinsames Suchen nach dem Ausgangspunkt werde daher als höchstbedeutsam und –dienlich betrachtet.

Menschen mit Behinderung verbinden Lebenserfüllung und Selbstverwirklichung mit dem Beruflichen Tun und der persönlichen Nützlichkeit zugunsten der Anderen viel mehr als gesunde Menschen. Diesbezüglich betrachten sie das Ausma3 des eigenen beruflichen Tuns als ein sehr wichtiges Persönlichkeitsmerkmal.

Ein Weg zum Erreichen dieses Lebenszieles ist eine allseitige Entfaltung des Menschen mit Behinderung. Die dies anstrebenden Maßnahmen, sollen daher möglichst früh nach der Diagnose der Störung ergriffen werden. Die Vorbereitung auf das Leben soll komperhensiv (ganzheitlich) aufgefasst werden, wobei Ausbildungs-Institutionen, Familien und Fachleute mit einbezogen werden sollen, die sich um das Kind mit Behinderung kümmern. Entwicklung und Förderung der Interesse und außerschulischen Aktivitäten sowie Teilnahme an verschiedenen Sport-, bzw. Erholungsaktivitäten und gesellschaftlichen Aktivitäten sollen auch zum Bestandteil dieser komplexen Förderung werden.

Eine anspruchsvolle Förderung der Menschen mit Behinderung verbindet sich oft mit der Belastung der Familienmitglieder, die sie erschöpft und denen verschiedene Einschränkungen mitbringt. Falls die Familienmitgleider (Betreuer) einen Beruf suchen, sind sie dann v.a. an Pflichten gebunden, die aus der Förderung hervorgehen. Möglichkeiten ihrer Beschäftigung sind aus diesem Grunde eingeschränkt. Zusammen mit den Menschen mit Behinderung wird gerade diese Gruppe zu einer weiteren beeinträchtigten Gruppe auf dem Arbeitsmarkt. Dementsprechend ist auch erwünscht, dass die Förderung der Menschen mit Behinderung auch Rehabilitation ihrer Familienkreise mit einbezieht.

Heutzutage geht hervor, dass die Einstellung der Eltern der Behinderung ihres Kindes gegenüber Änderungen erfährt. Die Eltern nehmen diese schwierige Lebensrealität nicht nur passiv und mitleidig als etwas Unveränderliches an, sondern sie bemühen sich, an der Förderung aktiv teilzunehmen un das gemeinsam mit Anderen, die helfen können. Da erscheint auch Hoffnung und Optimismus, die für das weitere Leben der Familie und des Kindes alleine sehr wichtig sind und die Basis für richtiges Nachempfinden dieser Lebensbestimmung stellten. Die Behinderung des Kindes bedeutet dann nicht mehr Last, sondern wird als Lebensgelegenheit empfunden.

Einstellungen und Erwartungen der Menschen mit Behinderung sowie ihrer Umwelt werden durch neue gesellschaftliche und soziale Sicherheiten geprägt. Änderungen dieser Sicherheiten sind im Vergleich zur Situation vor dem Jahre 1990 erheblich und bedeuten Verbesserung der Lebensqualität in allen Hinsichten samt Ausbildungsmöglichkeiten.

Weiter erlaube ich mir eigene Erkenntnisse und Erfahrungen einzuführen, die ich während letzter 10 Jahre in eigener Familie und im Rahmen meiner Tätigkeit gewonnen habe. Die als zuletzt genannte übe ich zugunsten der Kinder mit Behinderung und ihrer Familien aus.

Im Jahre 1998 wurde ich vom Bürgerverein Nadìje Zlín ersucht, mich an der Durchführung des Projektes zum Errichten eines Sonderkindergarten zu beteiligen. Nadìje entschloss sich diesen in der Stadt Otrokovice zu gründen. Dank der Erfahrungen, die ich mit meinem mehrfachbehinderten Sohn (geboren 1993) gemacht habe, habe ich das Projekt bearbeitet und mich der Führung angenommen. Der Sonderkindergarten mit der Frequenz von 20 Kindern wurde ins Schulnetz eingegliedert und am 1. 9. 1999 eröffnet. In der Anfangsphase wurde der Kindergarten in Räumlichkeiten des Trägers betrieben, aber schon zur Zeit der Errichtung wurde das Bauprojekt für einen neuen Pavillon fertig gebracht, an dessen Realisierung ich mich auch beteiligt habe. Ein schneller Aufbau wurde vorgesehen, um das zu ermöglichen, den Kindergarten möglichst schnell in neue Räumlichkeiten zu verlegen.

Nach einem Jahr des Betriebes hat sich gezeigt, dass der Betrieb und materielle Kosten des Kindergartens dem Bürgerverein Nadìje finanziell sehr belasten und so hat sich diese Organisation entschieden, vom Projekt abzugehen. Tschechische Staatsinspektion hat im Sonderkindergarten eine Kontrolle durchgeführt, wobei die Ergebnisse des Kindergartens wurden als “sehr gut” beurteilt. Schulleitung hat sich entschieden, den Kindergarten weiter zu betreiben. 14 Kinder, davon 9 mit Mehrfachbehinderung haben zu diesem Zeitpunkt den Sonderkindergarten besucht. Bevor waren diese Kinder nur zu Hause gefördert. Sollte der Kindergarten ausgelöst werden, wären alle Kinder wieder nur auf die Hauspflege angewiesen.

Es wurde ein neuer Bürgerverein Via Vitae Napajedala gegründet, der den Sonderkindergarten in Eigentum angenommen hat. Nadìje ist dann von allen ihren Verpflichtungen samt dem Mietvertrag abgegangen. Der Snderkindergarten musste innerhalb von 2 Monaten in ein anderes Objekt umziehen. Hier verläuft sein Betrieb bis heute. Heute stehen den Kindern mit Behinderung 2 Klassen zur Verfügung. Diese werden von insgesamt 17 Kindern besucht. Geistigbehinderten-, Körperbehinderten-Pädagogen und Logopäden arbeiten hier und es herrscht eine sehr gute Zusammenarbeit mit sonderpädagogischen Zentren und Fachleuten, die für die Kinder zuständig sind, wie z.B. mit Kinderärzten und anderen Fachärzten. Es gibt sehr offene, fast familiäre Beziehungen zwischen dem Kindergarten, dessen Mitarbeitern und den Eltern, den es ihnen am Wohlbefinden ihrer Kinder sehr liegt. Der Kindergarten wird jetzt von Subventionen des Ministeriums für Schulwesen finanziert und auch weitere finanzielle Mittel werden in ausreichendem Ma3e und in Form der Spenden und Geschenke angenommen.

Nun befindet sich die Schule trotzdem wieder in Existenzproblemen. Besitzerin (private Person) des Gebäudes, wo der Sonderkindergarten sitzt, hat sich für eine andere Variante der Ausnutzung des Objektes entschieden. Der Kindergarten hat sich dann mit einem Antrag um Hilfe an die Stadt Otrokovice gewendet. Man denkt, dass es gelingt, andere geeignete Räumlichkeiten für den weiteren Betreib zu finden und damit endlich Stabilität zu erreichen. Alle Mitarbeiter und Kinder des Sonderkindergartens Klubíèko freuen sich schon darauf.

Hinter all das, was hier geschildert wurde, steht eine Menge Arbeit und Sorgen und Verantwortung. Arbeit am Projekt für Sonderkindergarten Klubíèko habe ich als miene persönliche Verpflichtung verstanden, den Anderen zu helfen. Anfangs habe ich geglaubt, dass es sich um eine zeitlich begrenzte Aufgabe handelt, aber dies war nicht der Fall. Seit Anfang an übe ich die Funktion des statutarischen Organs sowie des Errichters aus. Um dieser Arbeit erfolgreich nachzukommen, haben mir persönliche Erfahrungen nicht genügt. Deshlb habe ich mich entschieden, meine Ausbildung um Hochschulstudium des Faches Sonderpädagogik zu erweitern. Erworbene Erfahrungen und Erkenntnisse bereichern allseitig mein Leben. Sie kommen zur Geltung sowohl auf dem Gebiet der Schulleitung, als auch bei der Erziehung und Ausbildung meines Sohnes und helfen unserer ganzen Familie, ohne Einschränkungen und Barrieren zusammen mit Tomáš zu leben.

Dies ist auch der Grund, warum ich der Meinung bin, dass es bei der Entwicklung der Programme für Menschen mit Behinderung und dann bei ihrer Umsetzung in die Praxis sehr hilfsreich ist, mit Behinderten und ihren Familien zusammenzuarbeiten. Ich habe die Überzeugung gewonnen, dass sie häufig genau und ganz richtig Probleme benennen können, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. Sie sind oft auch bereit, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, je nach ihren Möglichkeiten zu helfen und zusammenzuarbeiten. Sie helfen auch dabei, dass künftige Projekte am besten ihre Bedürfnisse berücksichtigen und Bedürfnisse anderen Menschen mit einbeziehen, denen sie dienen sollen. Die hier angeführte Erfahrung ist darum nichts Vereinzeltes. Im Gegenteil, ich habe Möglichkeit gehabt, viele seltene Menschen kennen zu lernen, deren Engagement für Andere mich sehr angesprochen hat. Ich gebe mir die Mühe, den Anderen zu helfen, weil ich es als Bedürfnis empfinde und weil ich ihnen helfen kann. Nur der, der einmal die Erfahrung gemacht hat, dass es mehr ist, zu geben als zu bekommen, kann zwar fühlen, dass ihn solche Arbeit ziemlich erschöpfen kann, bekommt aber zugleich Kraft, in seinem Werk weiterzumachen. Und deshalb setzt er auch fort.

back_to_content

Archivovana verze z webu KSpecPed PdF