Begleitung und Beratung an der Schnittstelle Schule / Beruf in Österreich
Lucie Prochazkova

Der Übergang von der Schule in das Arbeitsleben stellt für viele Menschen eine bedeutsame Veränderung im Leben dar. Es gibt Einiges zu überlegen, zu planen und zu entscheiden, aber auch Einiges zu überwinden. Es ist nicht immer einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen und die eigenen Vorstellungen oder Wünsche durchzusetzen. Noch schwieriger ist es jedoch, wenn es die Rahmenbedingungen nicht ermöglichen.

Menschen mit Behinderungen haben es immer schwerer, den Einstieg bzw. Wiedereinstieg ins Berufsleben ohne begleitende Hilfe zu schaffen (vgl. Hovorka 2001). Wenn also Menschen mit Behinderungen voll in die Gesellschaft integriert werden sollen und zwar in alle Lebensbereiche, dann gehört die Berufswelt zweifellos dazu.

Arbeit stellt einen äußert wichtigen Grundstein zu sozialer Anerkennung und der Möglichkeit, ein selbstbestimmtes, gleichberechtigtes Leben in der Gesellschaft zu führen, dar (vgl. Sigot 2001, S.7). Es ist also wichtig, dass auch nach der Schule, beim Übergang von der Schule in den Beruf bzw. bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz jemand da ist, der berät, begleitet und unterstützt und der dazu beiträgt, dass sich die Chancen zur vollen Eingliederung in die Gesellschaft insbesondere junger Menschen mit Behinderungen verbessern.

Clearing
Im Rahmen der “Behindertenmilliarde” (Beschäftigungsinitiative der Bundesregierung, aus der zahlreiche Förderangebote für behinderte Menschen finanziert werden) wurden verschiedene Fördermöglichkeiten für junge Menschen mit Behinderungen errichtet. Clearing ist eine davon.

Clearing ist eine Dienstleistung, die folgendes Ziel hat: behinderten jungen Menschen ihre Perspektiven in Bezug auf ihr zukünftiges Berufsleben aufzuzeigen und Entscheidungsgrundlagen für ein realistisches weiteres Vorgehen in Richtung berufliche Integration bereitzustellen.

Die Aufgabe des Clearing ist es, im letzten bzw. vorletzten Schuljahr die individuellen Voraussetzungen, Neigungen und Fähigkeiten des behinderten Jugendlichen festzustellen und Hilfe in Form von Informationen, Beratung, Betreuung und Begleitung zu leisten. Es wird eine Stärken/Schwächen-Analyse durchgeführt und festgestellt, ob der Jugendliche einen Nachschulbedarf hat, darauf aufbauend wird ein Entwicklungsplan erstellt.

Wichtig sind Kontakte zu allen relevanten Personen, die den Jugendlichen kennen (Eltern, Lehrer/innen, Betreuer/innen u. a.). Weiterhin werden Kontakte zu verschiedenen relevanten Institutionen, Behörden und Einrichtungen (AMS, Jugend- und Sozialämter, Magistrate, Schulen, Einrichtungen mit Angeboten für Jugendliche mit Behinderungen u. a.), die für die weitere Integration erforderlich sind, geknüpft.

Clearing versucht für die Jugendlichen verschiedene Schnupperpraktika zu vereinbaren, damit sie die Arbeitssituation im “wirklichen Leben” ausprobieren können.

Alle Ergebnisse werden zum Schluss zusammengefasst und ein individueller Karriereplan, aus dem die weiteren Schritte hervorgehen, wird entwickelt.

Clearing steht allen Jugendlichen mit Behinderung bzw. sonderpädagogischem Förderbedarf zwischen dem 13. und vollendeten 24. Lebensjahr, die bei der Eingliederung ins Berufsleben mit besonderen Schwierigkeiten rechnen müssen, zur Verfügung.

Clearing wurde im Jahr 2001 als ergänzende Maßnahme zu den bereits bestehenden Strukturen in einigen österreichischen Bundesländern errichtet. Inzwischen gibt es diese Maßnahme in verschiedenen Formen in ganz Österreich und wird von verschiedenen Trägern umgesetzt (Caritas, Lebenshilfe, Behindertenhilfe, Pro mente u. a.).

Arbeitsassistenz
Arbeitsassistenz ist ein Instrument der aktiven Arbeitsmarktpolitik, das im Auftrag des Bundessozialamtes (BSB) arbeitet. Sie hat zwei Hauptziele: Erlangung und Erhaltung von Arbeitsplätzen für behinderte Menschen.

“Die Arbeitsassistenten bieten nicht nur den behinderten Menschen selbst Hilfe und Beratung an, sondern stehen mit ihrem besonderen Fachwissen auch den Dienstgebern zur Verfügung und sollen helfen, allfällige Vorurteile der Dienstgeber, vor allem behinderten Menschen gegenüber, abzubauen (vlg. Ernst/Haller 2000, S.73).”

Die Arbeitsassistent/innen unterstützen die behinderten Menschen bei der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz, davor aber auch beim Erlernen von Fertigkeiten bzw. Finden von eigenen Bedürfnissen. Sie haben und suchen Kontakte zu Arbeitgebern, versuchen, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und die Zusammenarbeit zu fördern. Sie helfen bei der Klärung all jener Probleme, die zu einer (vorzeitigen) Beendigung eines Arbeitsverhältnisses führen würden. Zu der Beratungstätigkeit gehört auch Abklärung finanzieller Hilfen und individueller Situationen.

Im Laufe der Zeit hat sich herausgestellt, dass die Arbeit der Arbeitsassistenz Fähigkeiten und Fertigkeiten in mehreren Bereichen erfordert. Die Teams müssen dadurch einen breiten Überblick in Psychologie, Sozialarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Arbeitsmarktkunde, Betriebsabläufen und Arbeitsrecht, Sozialversicherungsrecht u. a. haben.

Job Coaching
Auch Job Coaching gehört zu den Maßnahmen, die Menschen mit Behinderungen bei der beruflichen Integration unterstützen sollen.

Der Begriff Job Coaching bezeichnet alle Maßnahmen, die zur Einarbeitung bzw. Einschulung des Arbeitnehmers direkt am Arbeitsplatz dienen. Diese Unterstützung kommt also nach der Schule nachdem ein Arbeitsverhältnis mit einer Firma oder mit einem Betrieb besteht. Job Coaches können auch bei Praktika begleiten. Sie können also als Ergänzung der Arbeitsassistenz gesehen werden.

Die Aufgabe der Job Coaches ist es, mit der Firmenleitung die genauen Tätigkeiten der neuen Mitarbeiter/innen zu klären und sie dann direkt an der Arbeitsstelle einzuschulen. Die Arbeitsaufträge werden Schritt für Schritt eingeübt, damit sie dann zur Zufriedenheit der Leitung erledigt werden können. Die Intensität der Begleitung richtet sich nach den Wünschen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber und nach dem Grad der Behinderung. Der Vorteil für das Unternehmen: sie müssen zum Einschulen von neuen Mitarbeiter/innen keinen zusätzlichen Mitarbeiter abstellen - das übernimmt der Job Coach.

Die Aufgaben von Job Coaches könnten in drei Gruppen geteilt werden:

Homer

“Arbeit bedeutet atmen für mich

und wenn ich nicht arbeiten kann,

kann ich nicht atmen.”

(Pablo Picasso)

Dieses einleitende, sehr passend gewählte Zitat sagt alles. Es geht um Arbeit und um die Wichtigkeit der Arbeit im Leben eines Menschen. Bei Menschen, denen es nicht ermöglicht wird zu arbeiten, kann es Auswirkungen und Folgen auf das gesamte Leben haben. Vor allem für Menschen, die von vorhinein benachteiligt werden, wie etwa Menschen mit Beeinträchtigungen.

Homer ist ein Preis, der in Oberösterreich für innovative berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen seit 2001 verliehen wird. Es gibt viele Unternehmen, die sich im Bereich der beruflichen Integration engagieren und die ein Beispiel für die anderen sein könnten. Ziel dieser Auszeichnung ist es, das Interesse der Menschen zu wecken, sich mit dem Thema “Berufliche Integration” auseinanderzusetzen, Unternehmen auszuzeichnen, die die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen unterstützen und sie als Beispiel für eine offene Gesellschaft benachteiligter Menschen zu zeigen.

Es gibt verschiedene Kategorien (je nach Zahl der Mitarbeiter/innen) und einige Kriterien. Gefragt wird zum Beispiel nach konkreten Maßnahmen und Veränderungen, die erforderlich waren, um ein behindertengerechtes Arbeitsumfeld zu schaffen, nach der Art der Tätigkeit oder nach der Vorbereitung der Mitarbeiter/innen auf die Zusammenarbeit mit Kolleg/innen mit Behinderungen.

Die Preisverleihung findet dann im Rahmen einer großen Veranstaltung statt und wird vom österreichischen Fernsehen (ORF) übertragen.

Oberösterreich und die Steiermark gehören zu denjenigen österreichischen Bundesländern, die im Bereich der beruflichen Integration als Vorreiter bezeichnet werden. Sie haben einen höheren Integrationsprozentsatz mit niedriger Ausgleichstaxe (Betrag, der von Unternehmen gezahlt werden muss, wenn sie keine Menschen mit Behinderungen einstellen).

Abschluss
Auf dem Gebiet der beruflichen Rehabilitation oder der Integration ins Berufsleben ist in Österreich besonders in den letzten Jahren schon Einiges passiert. Jedes Jahr gibt es viele Projekte, die Menschen mit Behinderungen auf dem Übergang zwischen Schule und Beruf aber auch in anderen Lebensphasen unterstützen wollen. Wichtig ist, dass diese Bemühungen langfristig gefördert und finanziert werden und dass sie vielleicht nicht nur mehr oder weniger erfolgreiche Projekte bleiben, sondern dass sie auch nach dem Projektende “weiterleben.”

Dazu ist es aber notwendig, dass die hier vorgestellten aber auch alle anderen Dienstleistungen für jeden verfügbar sind, sie müssen flächendeckend und nicht nur in großen Zentren situiert sein, damit sie auch mit unzureichendem Verkehrsnetz erreichbar sind. Mangelhaft ist auch die Informierung der Dienstgeber aber auch der betroffenen Menschen und ihrer Angehörigen bezüglich der Förderungsmöglichkeiten. Besonders wichtig ist also die Zusammenarbeit zwischen Institutionen, Betroffenen, Eltern, Schule aber auch Wirtschaft usw.

An erster Stelle aller Bemühungen muss die Suche nach einem regulären Arbeitsplatz sein. Angemessene Bezahlung d. h. angemessener Lohn für geleistete Arbeit, Versicherung, bezahlter Urlaub sollten selbstverständlich sein. Allen Menschen sollte ermöglicht werden, soziale Kontakte zu knüpfen, an gemeinsamen sozialen Ereignissen teilzunehmen usw. Der Mensch ist ein geselliges Wesen, niemand sollte daher aus welchem Grund auch immer ausgeschlossen werden.

Begriffserklärung

Clearing - unterstützt Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf an der Schnittstelle Schule/Beruf bei der Abklärung von beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten

Arbeitsassistenz - bietet Beratung und Unterstützung bei der Arbeitssuche, beim Berufseinstieg sowie bei Krisen oder Problemen am Arbeitsplatz. Arbeitsassistenz steht sowohl den (zukünftigen) Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen als auch den Arbeitgebern zur Verfügung.

Job Coaching - ein Job Coach (auch Arbeitstrainer genannt) unterstützt bei der Eingewöhnung bzw. bei Problemen am Arbeitsplatz. Er/sie begleitet vor Ort an den Arbeits-, Ausbildungs- oder Praktikumsplatz.

“Behindertenmilliarde” - Beschäftigungsoffensive für behinderte Menschen, die aufgrund der schwierigen Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Behinderungen von der Bundesregierung im Jahre 2001 gestartet wurde. Ihr Ziel ist die Verbesserung der Situation behinderter Menschen.

Zielgruppen dieser Beschäftigungsoffensive sind vor allem:

Ausgleichstaxe - Nach dem Behinderteneinstellungsgesetz sind grundsätzlich alle Dienstgeber, die im Bundesgebiet 25 oder mehr Dienstnehmer beschäftigen, verpflichtet, auf je 25 Dienstnehmer mindestens einen begünstigten Behinderten einzustellen. Wird die Beschäftigungspflicht nicht erfüllt, ist ein bestimmter Betrag - die Ausgleichstaxe - zu bezahlen. Dieser Betrag geht in einen zweckgewidmeten Fond, von dem dann z. B. bei der Mitfinanzierung von Projekten im Behindertenbereich geholfen wird.

Literatur und Verweise :

Ernst, K./Haller, A. (2000): Behinderteneinstellungsgesetz (Gesetze und Kommentare 149). Verlag des Österreichischen Gewerkschaftsbundes GmbH. Wien. S. 73

Sigot, M. (2001): Zum Konzept der Arbeitsassistenz: Probleme und Perspektiven. In: Hovorka, H.: Integration durch regionale Arbeitsassistenz in NÖ. Studie im Auftrag des Bundessozialamtes für Wien, NÖ und BGLD. (2000/2001). Endbericht. Wien

Schmid, T./Hovorka, H. (2001): Acht Thesen zur Arbeitsassistenz. In: Hovorka, H.: Integration durch regionale Arbeitsassistenz in NÖ. Studie im Auftrag des Bundessozialamtes für Wien, NÖ und BGLD. (2000/2001). Endbericht. Wien
http://www.wegweiser.bmsg.gv.at

Bundesministeriums für Soziale Sicherheit und Generation: http://www.bmsg.gv.at/bmsg/relaunch/behinderung/content/behindertenmilliarde.htm

Bundessozialamt. Hilfe und Beratung für Menschen mit Behinderung: http://www.basb.bmsg.gv.at

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