Qualität in der Arbeitsassistenz
Helga Fasching

Qualitätsdiskussion am Beispiel Arbeitsassistenz
Qualitätsdiskussionen in der beruflichen Integration werden nicht erst seit heute geführt. Sie nehmen angesichts ökonomischer Sparzwänge, aber auch angesichts einer Vielzahl von Angeboten und Maßnahmen im Bereich der beruflichen Rehabilitation einen immer bedeutenderen Raum ein.

Es geht bei Qualitätsdiskussionen häufig um die Fragen:

Die Frage, was Qualität in der beruflichen Integration bedeutet, wird somit je nach Interessenlage unterschiedlich ausfallen. Da in den nächsten Jahren die Ressourcenverteilung an öffentliche und private Einrichtungen immer stärker ziel- und ergebnisorientiert erfolgen wird, ist eine mehrperspektivische Qualitätsdiskussion notwendig. Dabei wird die Entwicklung von Leitlinien und Qualitätskriterien zu fordern sein, die in einem gemeinsamen Prozess zwischen MitarbeiterInnen, TrägerInnen von Projekten, GeldgeberInnen und “KundInnen” ausgehandelt werden müssen. Schwarte & Oberste-Ufer (2001, 66) begründen die gemeinsame Beteiligung aller AkteurInnen im Qualitätsentwicklungsprozess: “Die NutzerInnen und ihre Angehörigen haben einen Anspruch auf Verbindlichkeit, Transparenz und Vergleichbarkeit der Angebote (Verbraucherschutz), die Fachkräfte sozialer Dienste haben ein subjektives und berufsständisches Interesse an der Definition von einheitlichen Standards für die Qualität ihrer Arbeit (Professionalisierung), die Kostenträger haben ein gesetzlich festgelegtes Recht, die qualitätsbewusste Verwendung öffentlicher Gelder zu überprüfen (Ressourcensteuerung).”

Diese mehrperspektivische Qualitätsdiskussion soll im folgenden am Beispiel der “Arbeitsassistenz” konkretisiert werden, da die Arbeitsassistenz als Maßnahme zur beruflichen Integration in Österreich einen besonderen Stellenwert einnimmt.

Seit der Novelle des BEinstG (Behinderteneinstellungsgesetz) mit 01. 01. 1999 sind die Maßnahmen der Arbeitsassistenz im BEinstG gesetzlich verankert. Demnach werden die Kosten der begleitenden Hilfe am Arbeitsplatz, insbesondere Arbeitsassistenz finanziell gefördert (vgl. Badelt & Österle 2001, 80).
Die Arbeitsassistenzprojekte unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Zielgruppen. Ihr gemeinsamer Auftrag ist die berufliche Integration von Menschen mit besonderen Bedürfnissen in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Die im Gesetz festgelegten Ziele und Aufgaben der Arbeitsassistenz beschreiben den Dienst insgesamt als ambulanten professionellen Dienstleister zur Erlangung und Erhaltung von Arbeitsplätzen. Die Arbeitsassistenz unterstützt Menschen mit besonderen Bedürfnissen bei der Aufnahme, Ausübung und Sicherung einer möglichst dauerhaften Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Die Arbeitsassistenz versteht sich als eine vernetzte, flexible und regionale Serviceeinrichtung zur passenden Vermittlung und Stabilisierung von Arbeitsverhältnissen. Im Mittelpunkt ihrer Tätigkeit steht deshalb die persönliche und zuverlässige Beratung und Unterstützung von Arbeitssuchenden, ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen (vgl. Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales 1996, 55f.).

Mehrperspektivische Qualität
Will man über Qualität in der Arbeitsassistenz diskutieren, so ist zuerst notwendig zu klären, was Qualität für die unterschiedlichen Interessengruppen bedeutet. Vorrangig beteiligt an Qualitätsdiskussionen sind derzeit AuftragerInnen der Arbeitsassistenz und MitarbeiterInnen der Arbeitsassistenz, in seltenen Fällen werden die NutzerInnen in Qualitätsplanung, -sicherung und -kontrolle einbezogen.

Perspektive AuftraggeberInnen
Die Qualität der Arbeitsassistenz wird seitens der AuftraggeberInnen ausschließlich über die Anzahl der Vermittlungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt gemessen und daran, wie viele Arbeitsplätze durch Interventionen gesichert werden konnten (=Ergebnisqualität). Das BSB (Bundesamt für Soziales und Behindertenwesen) ist für die Qualitätskontrolle der TrägerInnen von Arbeitsassistenzprojekten verantwortlich. Sie erfolgt durch MitarbeiterInnen der Abteilung “Berufliche Rehabilitation” des BSB. Im Gremium einer sogenannten “Steuergruppe” werden die der Qualitätskontrolle zugrundeliegenden Kriterien gemeinsam festgelegt.
Das “Controlling” basiert derzeit hauptsächlich auf quantitativen Messungen: Die Arbeitsassistenz muss vier Mal pro Jahr eine Quartalsstatistik über die betreuten und vermittelten Personen abgeben und am Ende des Jahres eine Jahresstatistik erstellen (Jahresbericht). Dieses “Controlling-System” richtet sich hauptsächlich auf sogenannte ”hard facts”. Es geht vor allem um die Frage, wie viele Arbeitsplätze wurden geschaffen, wie viele wurden gesichert, und wie viel Geld musste dafür aufgewendet werden. Qualität wird also hauptsächlich über das Schaffen bzw. Erhalten von Arbeitsplätzen am allgemeinen Arbeitsmarkt definiert, wobei im Vordergrund eindeutig der “dauerhafte Arbeitsplatz” für die betreute Person steht.
Die Unterbringung in eine Beschäftigungstherapie ist für das BSB kein Erfolg. Laut BSB-Richtlinien wird demnach als Erfolgskriterium der Abschluss eines sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisses gewertet, das “mindestens sechs Monate aufrecht ist”. Ein gefährdetes Arbeitsverhältnis gilt als gesichert, wenn es zumindest sechs Monate nach Beginn der Intervention noch aufrecht ist. Ein gefundener Arbeitsplatz gilt aber nur dann als Erfolg, wenn er eine Vollbeschäftigung ermöglicht (38 Wstd.), ein 20stündiges Arbeitsverhältnis oder Teilzeitarbeit wird daher nicht als Erfolg gewertet. Genaue Erfolgsdefinitionen hinsichtlich der Vermittlungsquote werden gemeinsam mit dem Auftraggeber BSB und den Trägern von Arbeitsassistenzprojekten vereinbart und in Verträgen festgehalten.
Nach dieser Vertragsvereinbarung hat jedes Projekt eine unterschiedlich hohe Auflage, welche erfüllt werden muss. Sehr oft handelt es sich dabei aber um eine Vermittlungsquote von 50 %. Vom Auftraggeber ist für die Arbeitsassistenz ein Betreuungsschlüssel von 1:20 vorgesehen, die Betreuungsdauer darf 2 Jahre nicht überschreiten (1/2 Jahr Vorbereitungszeit, max. 1 ½ Jahre Nachbetreuungszeit) (vgl. Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales 1997, Kommentar zu den Richtlinien für die Förderung begleitender Hilfen).

Perspektive ArbeitsassistentInnen
ArbeitsassistentInnen bewerten die Qualität ihrer Arbeit nicht primär über Vermittlungszahlen in den allgemeinen Arbeitsmarkt – auch wenn dies das entscheidendste Qualitätskriterium für den Auftraggeber ist. Qualität sollte ihrer Meinung nach nicht durch Zahlen definiert werden, sondern es sollte die Betreuungsarbeit selbst als Qualitätskriterium gelten.

Qualität bedeutet für die ArbeitsassistentInnen, wenn sie in den verschiedenen Phasen der Beratung erfolgreich waren. Dazu gehören die individuelle Berufsorientierung, das Finden von Arbeits- und Ausbildungsplätzen mit integrativen Rahmenbedingungen am allgemeinen Arbeitsmarkt, die Suche von Praktikumsplätzen als Vorbereitung für den Berufseinstieg, die kontinuierliche längerfristige Begleitung am Arbeits- und Ausbildungsplatz, die Nachbegleitung als Beitrag zur Sicherung eines Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisses. Des Weiteren ist die gelungene Vernetzung mit relevanten KooperationspartnerInnen (vor allem wurde das AMS dabei genannt) und die gelungene Einbeziehung aller wichtigen Akteure aus dem sozialen Umfeld der betroffenen Jugendlichen ein Erfolg (vgl. Beratungseinrichtung “Integration Wien – berufliche Integration durch Arbeitsassistenz, Jahresbericht 2001, 7; Autark-Integrationsfachdienst, Jahresbericht 2000-2001, 9).

Wegen der Sicherung erreichter Arbeitsverhältnisse spielt bei der Arbeitsassistenz die Frage der Dauerhaftigkeit eine größere Rolle. Damit rückt die Prozessqualität der Beratung der Arbeitsassistenz sehr viel mehr in den Blickpunkt. Dabei geht es nicht nur um Prozessqualität als einer bloßen Voraussetzung für Ergebnisqualität, sondern um Prozessqualität im Sinne des so genannten “uno-actu-Prinzips”: Erbringung einer Dienstleistung und ihr “Ergebnis” fallen unmittelbar zusammen oder sind doch zumindest so verbunden, dass die Bestimmung eines objektivierbaren Ergebnisses nicht oder nur schwer möglich ist. Die Ergebnisse (outputs) solcher Dienstleistungen sind prinzipiell nicht isoliert fassbar (etwa als Anzahl aufrechterhaltener Arbeitsverhältnisse), sie sind oftmals nur kumulativ wirksam (vgl. Schwarte & Oberste-Ufer 2001, 24f.).

Ausblick
Aus Gründen der Qualitätssicherung und -entwicklung wäre es aus zusammenfassenden Erkenntnissen wünschenswert, wenn in Österreich die Verständigung auf ein gemeinsames Qualitätssicherungskonzept für die Arbeitsassistenz gelänge. Zwischen dem Auftraggeber BSB (Bundesamt für Soziales und Behindertenwesen) und den Arbeitsassistenzprojekten soll eine flächendeckende Kommunikation und der Informationsaustausch über gemeinsame Qualitätssicherungsverfahren stattfinden. Dafür müssten bundesweit Fachgremien eingerichtet werden. Die Forschung kann hier einen Beitrag leisten, indem sie diese Fachgremien durch Prozessevaluationen begleitet und sie dadurch bei ihrem Qualitätsentwicklungskonzept unterstützt. Darüber hinaus ist grundsätzlich auf die Institutionalisierung nicht nur externer, sondern insbesondere auch interner dialogischer Strategien zur Qualitätssicherung zu verweisen.
 

Literatur :

Autark-Integrationsfachdienst. Jahresbericht 2000-2001. Klagenfurt: Autark-Integrationsfachdienst.

Badelt, Ch. & Österle, A. (2001). Grundzüge der österreichischen Sozialpolitik. Spezieller Teil: Sozialpolitik in Österreich. Wien: Manz Verlag.

Beratungseinrichtung Integration Wien. Berufliche Integration durch Arbeitsassistenz. Jahresbericht 2001. Wien: Beratungseinrichtung Integration Wien.

Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (1996). Bericht zur Lage behinderter Menschen Nr. 2 – Berufsausbildung/Arbeit. Wien: Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (1997). Kommentar zur Förderung begleitender Hilfen gem. § 6 Abs. 1 BEinstG, September 1997. Wien: Bundesministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales.

Bungart, J. & Putzke, S. (2001) Einarbeitung am Arbeitsplatz und der Prozess der betrieblichen Integration. In J. Barlsen & J. Hohmeier (Hrsg.), Neue berufliche Chancen für Menschen mit Behinderung. Unterstützte Beschäftigung im System der beruflichen Rehabilitation. Düsseldorf: Verlag Selbstbestimmtes Leben (111-160).

Hovorka, H. (2001). Integration durch regionale Arbeitsassistenz in NÖ. (Studie im Auftrag des Bundessozialamtes für Wien, NÖ u. Bgld. 2000/01). Endbericht. Klagenfurt: Universität Klagenfurt.

Informationen für die Beratungs- und Vermittlungsdienste der Bundesanstalt für Arbeit (Ibv). (1997). Behinderte junge Frauen bei der beruflichen Ersteingliederung. Ergebnisse eines Workshops. In Informationen für die Beratungs- und Vermittlungsdienste der Bundesanstalt für Arbeit: Nürnberg (289-297).

Schwarte, N. & Oberste-Ufer, R. (2001). Qualitätssicherung und –entwicklung in der sozialen Rehabilitation Behinderter: Anforderungen an Prüfverfahren und Instrumente. In H.-J. Schubert & K.-J. Zink (Hrsg.), Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen (2. Auflage). Neuwied; Kriftel: Luchterhand Verlag.



Qualitätssicherung

Workshop - Hamburg

Das Thema “Qualität” bzw. “Qualitätsmanagement” ist derzeit eines der meist diskutierten Themen in der sozialen Arbeit und gewinnt zunehmend an Bedeutung. Es ist somit besonders wichtig möglichst aktiv die in der Qualitätsdebatte liegenden Chancen wie z.B. die Möglichkeit einer transparenten Darstellung der Leistungen verschiedener sozialer Dienste an Außenstehende, z.B. Kostenträger, und die weitere Professionalisierung der eigenen Arbeit wahrzunehmen.

Die Diskussion zu Fragen des Qualitätsmanagements in Feldern der sozialen Arbeit sollte sich nicht in der Übertragung betriebswirtschaftlicher Modelle und Denkweisen erschöpfen, sondern versuchen, diese Modelle mit den eigenen Traditionen zu verbinden. In Begriffen wie Fachlichkeit, Professionalisierung und methodischem Arbeiten lassen sich gute Anknüpfungspunkte für eine Beschäftigung mit qualitätsrelevanten Fragestellungen finden. Im Gegensatz bzw. in Ergänzung zu eher verfahrensorientierten und formalen Regelungen im Rahmen betriebswirtschaftlicher Qualitätssysteme, deren Fokus sich stärker auf die Festlegung von Zuständigkeiten und Prüfverfahren richtet (z.B. DIN EN ISO 9000ff.), liegt der Schwerpunkt in Feldern der sozialen Arbeit auf der inhaltlichen Bestimmung von Merkmalen “guter Arbeit” und ihrer Umsetzung in der Praxis. Im Mittelpunkt einer solchen Diskussion steht die Reflexion über die Ausgestaltung des eigenen Einrichtungs- und Arbeitskonzepts sowie die Gestaltung der alltäglichen Arbeitspraxis. Bevor bestimmt wird wie die Qualität der Arbeit zu sichern und weiterzuentwickeln ist, muß zuerst festgelegt sein, was die spezifischen Zielsetzungen und Inhalte dieser Arbeit sind.

Innerhalb des Workshops sollen sich die TeilnehmerInnen mit den genannten Aspekten im kollegialen Austausch auseinandersetzen und einzelne methodische Ansätze kennenlernen.

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