Möglichkeiten und Bedingungen der Arbeitsbetätigung der Menschen mit schwerer Sehbehinderung
Lea Kvetonová – Svecová


Schlüsselwörter :
Lebensqualität eines behinderten Menschen, Lebensrolle und Berufsrealisierung des Menschen, Möglichkeiten des Beschäftigens der Menschen mit schwerer Sehbehinderung, Vorberufs- und Berufsvorbereitung, Kompetenzen, Fähigkeiten, Beschränkungen, die sich aus der Behinderung ergeben, Informationsdefizit und seine Überwindung, bzw. Kompensation

Bewertung der Entwicklung von den Bedingungen für die Arbeitsbetätigung der Sehbehinderten in der Vergangenheit und heute
Es ist notwendig, zu erst die Arbeitsbetätigung zu definieren mit der Rücksicht auf die Entwicklung der Arbeitsbetätigung der Sehbehinderten. In der Vergangenheit waren Blinde und Sehbehinderte zum Objekt der Pflege von verschiedenen charitativen Organisationen, derer Ziel die Grundbedürfnisbefriedigung des behinderten Menschen war. Ernähren und mit Kleidung versehen – waren zum Hauptkriterien der Pflege. Bildung und Erziehung der Blinden wurden in dieser Zeit in den meisten Anstalten als Spende verstanden, als etwas Zusätzliches (Smýkal 1997).
Erst Valentine Haüay bringt im Jahre 1784 Grundwechsel in diese Auffassung, wenn er in Paris die erste Bildungs- und Erziehunseinrichtung gründet, in dem ein Blinder seine Pflege nicht nur passiv annimmt, sondern wo er auch zu dem Mitgestalter der Einrichtungsführung mittels seiner Arbeit ist. Gerade in dieser Zeitperiode werden die ersten Berufe konzipiert, die die Gesellschaft als “entsprechend” für Blinde versteht - Bürstenbinder, Mattenbinder, Klavierstimmer usw.
Mit der Zeit, vor allem in der modernen Historie, werden immer öfter die Berufe mit starkem Anteil der Kopfarbeit durchgesetzt, wie sehbehinderte Programatoren, Telefonisten, Musiklehrer. Im historischen Kontext von Böhmen und Mähren ist notwendig, auf die Verdienste von Alois Klár (1763-1834) hinzuweisen, der im Jahre 1832 die Klars Anstalt gründete, im Mähren an die Arbeit von Jan Rafael Beitl, den ersten Direktoren der Mährisch-schlesischen Anstalt, der Fachschule des ausgewählten Handwerks für Blinde (1846).
Das traditionelle Handwerk für Blinde findete mit der Eintritt der neuen Technologien, vor allem mit der Entwicklung der Industrieautomatisierung, immer schwieriger seine Stelle an dem Arbeitsmarkt und in vielen Fällen ist die Abschwächung der traditionellen Berufe zu sehen, wie z. B. Bürstenbinder, Telefonist. Die Entwicklung der Technologien betont immer stärker die Multidisziplinarität der Arbeitseingliederung, wann der Telefonist nicht mehr zum “ausschließlich” Telefonmanipulant sein kann, sondern er muss auch die Arbeit des Empfangschefs schaffen, also der Person des ersten Kontakts der Firma oder Organisation, die fähig ist, auf alle Grundspfären der Organisationswirkung zu reagieren.
Weiter muss man in Betracht ziehen, dass es auf dem Arbeitsmarkt in Böhmen und Mähren nach dem Jahr 1989 zu einer starken Diversifikation kam und dass das vorher unoffizielle “Monopol” der Organisationen der gesundheitlich Behinderten Menschen für eine bestimmte Arbeitseingliederung völlig zu Grunde ging. Gerade aus diesem Grund muss man die Lücken auf dem Arbeitsmarkt suchen, ihnen auch flexibil die Qualifizierung der Person anpassen, die neue Qualifizierung auf dem Arbeitsmarkt anbieten und in allgemeinem Maß Arbeitsbetätigung der behinderten Personen auf dem legislativen Niveau unterstützen. Die Arbeitsbetätigung der Behinderten ist in großem Maß mit kulturellen Traditionen der bestimmten Gesellschaft verbunden und mit der Wille des Arbeitgebers, die mit der Veränderung des Arbeitsplatzes verbundenen Schwierigkeiten einzugehen, bzw. Anpassung der Arbeitspflichten dem Sehbehinderten.
Die Kultur der bestimmten Gesellschaft kann bei der Suche des Arbeitsplatzes eine grosse Rolle spielen. Als Beispiel könnte uns das häufig präsentierte Argument gegen der Arbeitsbetätigung der Sehbehinderten dienen - “Vorurteile der Arbeitsgeber”. Vorurteile sind oft falsch für Ergebniss der vergangenen negativen Erfahrungen mit dem Anstellen der gesundheitlich Behinderten gehalten. Die im Kapitel 6 in dieser Arbeit präsentierte Forschung widerlegt aber dieses Ergebnis, weil die Mehrheit der Arbeitgeber das Anstellen der gesundheitlich Behinderten nicht nur für gesellschaftlich beförderlich hält, sondern auch sind ihre Erfahrungen mit dem Anstellen der gesundheitlich Behinderten positiv.

Eine wichtige Rolle spielt bei der Einschätzung des Arbeitsmarkts für Sehbehinderte auch das Bewusstsein der Sehbehinderten. Eine passive Stellung zu der eigenen Arbeitsbetätigung wird schrittweise verändert, es wird ständig mehr eine aktive Stellung und eigene Verantwortung des Sehbehinderten zu seinem eigenen Leben hervorgerufen. Die SWOT Analyse der Problematik des Anstellens von Sehbehinderten in der Tschechischen Republik (im Rahmen von Programm Leonardo da Vinci), die in der Forschung in der Doktorarbeit D. Švec (2002) realisiert wurde, beschreibt die Veränderung der Stellungen der Sehbehinderten zum Schema des Dienstleistungenangebots.
 

Starke Seiten
Schwache Seiten
Erreichbarkeit der Dienstleistungen

Technisches Know-how

Philosophie der Organisationsfunktion 

Enge Verbindung mit dem Klienten

Aufgeschlossenheit der Organisation 

Systém und komplexe Zutritt zu Klienten 

Qualifiziertes Personal

Ungenügend bearbeitete Methodik der Vorbereitung der Klienten auf den Beruf

Eng geleitete Aufsuchung der Behinderten

Ungenügende Zusammenarbeit mit Arbeitsämte in manchen Regionen

Mangel an Programme, die den Klienten zur Rückkehr in den Beruf motivieren würden 

Niedrige Atraktivität des Umschulungsagebots 

Gelegenheiten
Bedrohung
Ständige Erhöhung der Qualifikation von Bewerber um die Arbeit

Entwicklung der neuen Aktivitäten mit Rücksicht auf die angenommenen Legislative 

Aufgeschlossenheit der Arbeitsämte zu der Zusammenarbeit 

Vorurteile über Sehbehinderte 

Stellungen der Sehbehinderten zu den eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten (Demotivation)

Hastige Entwicklung der Kompensationstechnologien

Die wichtigsten Gebiete, welche nach der eigener Meinung der Sehbehinderten beeinflusst sein sollten, betreffen die Motivation der Sehbehinderten zu der Rückkehr in die Arbeit und auf das Schaffen von neuen atraktiven Umschulungsprogramme mit Rücksicht auf Bedarf des Arbeitsmarkts.

Arbeitsrehabilitation als Bedingung des Lebensqualitäts
Rehabilitation ist eine breit-spektrale Erscheinung. Es wird mit Heil-, Sozial-, Arbeits und auch mit pädagogischen Mitteln gelöst. Der Komplex aller diesen permanent laufenden Mittel stellt eine komplexe = globale = integrale = komprehensive Rehabilitation dar. Jesenský (1995) führt die Reihung der Rehabilitationselemente nach dem Gesichtspunkt der Entwicklung Als die erste steht seiner Meinung nach Heilrehabilitation, gefolgt von Arbeitsrehabilitation, dann soziale und kurz wird dazu auch pädagogische Rehabilitation eingereiht.

Zum Ziel der Arbeitsrehabilitation wird die Entwickling der spezifischen Kenntnisse, Fähigkeiten und Angewohnheiten, die für einen bestimmten Beruf notwendig sind. Sie nutzt hauptsächlich pädagogische, ergonomisch-technologische und teils auch psychologische bzw. psychoterapeutische Mittel und Heilmittel aus.

“Arbeitstätigkeit stellt Folge verschiedener intelektueller und manuell er Aktivitäten dar, derer Ergebnis geschaffene gesellschaftlich oder individuell wichtige Werte.” Jesenský (1995, s. 115) Arbeitstätigkeit nimmt einige intelektuelle, manuelle Fähigkeiten und einen bestimmten Arbeitspotenzial voraus. Eine Sehbehinderung kann und in den meisten Fällen auch bedroht physische und psychische Leistungsfähigkeit. Jesenský weist auf den Zustand hin, wenn der Behinderte nicht fähig ist, seine veränderte Arbeitsbefähigung zu akzeptieren oder er ist nicht im Stande zu arbeiten.

Im Hinsicht auf das Thema des Artikels, konzentriere ich mich zu erst auf Abgrenzung des Begriffs Arbeitsrehabilitation, Arbeitsvorbereitung und -qualifikation.

Arbeitsrehabilitation ist ein Teil des Prozesses der komprehensiven Rehabilitation, sie ermöglicht den Behinderten einen Beruf auszuüben oder sie bietet ihnen einen anderen Beruf an.

Arbeitsvorbereitung stellt den Prozess der Gewinnung verschiedener notwendigen Kenntnisse, Fähigkeiten und Angewöhnheiten dar.

Arbeitskvalifikation ist das Ergebnis der Arbeitsvorbereitung.

Jesenský (1995) definiert den Begriff der Arbeitsrehabilitation folgend:“....Überwindung der Arbeitsunfähigkeit (oder der veränderten Arbeitsfähigkeit) und Bildung der inneren Bedingungen für Arbeitsbetätigung.”

Derselbe Author kritisiert die heute benutzte Begriffabgrenzung und spezifiziert sie weiter: “...eigene Arbeitsrehabilitation stellt vor allem eine Erneuerung des Arbeitspotenzials und den Prozess der Vorbereitung der produktiven Arbeit dar.”

Zum Hauptziel des ganzen Prozesses ist Rückkehr in den Arbeitsprozess, damit erscheinen auch andere Teilziele wie Motivation, Durchsetzungsvermögen, gesellschaftlich-wissenschaftliches Prestige, ökonomische Unabhängigkeit und sozial-berufliche Integration.

Bei der Bildung der Abeitsgelegenheiten für Sehbehinderte muss man daraus ausgehen, dass die Arbeitsrehabilitation die individuellen und auch ganzgesellschaftlichen Bedürfnisse befriedigt und darum ist es notwendig, sich an folgenden Prinzipien zu halten (Jesenský 1973) :

Wenn wir uns an diesen Prinzipien halten möchten, respektieren wir gleichzeitig folgende Aufgaben. Eine am Anfang stehende Aufgabe ist Diagnostik und Bewertung des Arbeitspotenzials und des erhaltenen Arbeitspotenzials, sein Vergleich mit stehender Qualifizierung und Bildung des weiteren Verfahrens. Zum zweiter Aufgabe ist Akzeptanz der Behinderung in Beziehung zur Arbeit, Herausrufen eines angemessenen Bestrebenniveaus. Zur dritten Aufgabe ist eigene Berufsvorbereitung, folgt der aktuelle Zustand des Arbeitsmarkts, Einführung in die Arbeit auf dem bestimmten Arbeitsplatz, wo die material-technische, organisatorische und personale Struktuierung so durchgeführt sein sollte, damit sie den Bedingungen eines Sehbehinderten entsprechen könnte.

Zu einem selbststehenden Gebiet ist dann die eigene Suchung des Arbeitsplatzes auf dem Arbeitsmarkt. Auch dazu braucht man eine auf Prozess der Aussuchung konzentrierte Vorbereitung, also alle erreichbare Informations- und Medienquellen wie Anzeigen, Referenzen der Verwandten, Arbeitgeber- und Arbeitnehmerforum u.a. Bolles führt in seiner Studie aus dem Jahre 2001 “Welche Farbe hat Ihr Fallschirm?” (What color is your parachute) die sgn. “neandertale Weise” der Berufssuche ein, die paradox am wenigsten effektiv ist, obwohl sie am meisten bei der aktiven Suche der Arbeit benutzt wird. Es bringt eine ganz unterschiedliche Weise der Besetzung der Arbeitsplätze und zwar aus der Sicht des potenziellen Arbeitgebers und Arbeitnehmers, die in dem aktiven Zutritt zum Prozess der Suche liegt. Zum anderen auch wichtigen Moment der aktiven Suche der Arbeit ist eine eigene Strategie, die nicht in den fatalen Voraussetzungen verankert ist, dass:

Es ist offenbar, dass zum Grundvoraussetzung des Menschen, der seinen Beruf sucht, die Definition “was will ich machen” klar ist. Nur wenn er seine Fähigkeiten und Fertigkeiten kennt kann er darüber nachdenken, aktiv die Arbeit zu suchen und sich selbst Vermittler zu sein. Sollte diese Regel für die ganze Population gültig sein, ist sie dann für die Sehbehinderte noch mehr hervorzuheben. Die aus der gesunheitlichen Behinderung folgenden Beschränkungen werden für das wichtigste Hindernis der möglichen Arbeitsbetätigung der gesundheitlich Behinderten gehalten. Sie beeinflussen sicher zum Teil die wenig günstige Startsituation, sind aber nicht zu den wichtigsten Beschränkung.

Wie_sucht_man_einen_Beruf

Arbeitsbetätigung der Sehbehinderten
Die Problematik der Arbeitsbetätigung aus der Sicht der gegenwärtigen Auffasung der Behinderung beinhaltet immer zwei wichtige Elemente :

Folgend beschriebene Analyse zeigt die Grundhindernisse des Anstellens der Behinderten

Die_Grundhindernisse_des_Anstellens_der_Behinderten

Die Hauptveränderug der Entwicklung von der Arbeitsbetätigung der Sehbehinderten liegt in der Veränderung des Individuums zu seinem Arbeitsbetätigung. Immer mehr wird der Trend durchgesetzt - “arbeiten, wo ich will” und nicht “dort, wo es eine freie Stelle gibt”. Aus der Sicht eines Sehbehinderten geht es um einen grossen qualitativen Sprung bei der Auffassung der eigenen Behinderung. Das kann man so erreichen, (Bolles 2001), dass zu erst der Sehbehinderte selbst genau und klar definiert, welche Fähigkeiten übertragbar sind. Diese erste Prüfung ermöglicht, die übertragbaren Fähigkeiten im Bereich der manuellen, geistigen Arbeit und Kommunikation zu identifizieren. Dann, wenn der Sehbehinderte seine “starke Seiten” identifizierte und zu den auch konkrete übertragbare Fähigkeiten zuordnete, die Weisen der Kompensation des Sehvermögens inklusive, wenn die Fähigkeit hauptsächlich in der Sehwahrnehmung liegt, muss er bestimmen, wo er seine Fähigkeiten durchsetzen möchte. Das schliesst sowohl menschlichen Tätigkeiten, die ihn interessieren ein, als auch ihre geographische Lage. Zur Schlussphase wird die Anrede solcher Subjekten, die im bestimmten Gebiet einen Antrag um Schaffen einer neuen Abeitsstelle haben, die die übertragbaren Fähigkeiten des Sehbehinderten reflektiert. Jeder Mensch, auch der Sehbehinderte, hat ein unikales Set der übertragbaren Fähigkeiten. Und das ist zum Vorteil nicht nur des Arbeitsnehmers, sondern auch des Arbeitsgebers.

Literatur :

BOLLES, R. N. What Color Is Your Parachute? Toronto: 10 Speed Press, 2001.

JESENSKÝ, J. Uvedení do rehabilitace zdravotne postizených. Praha: Karolinum, 1995.

JESENSKÝ, J. Andragogika a gerontagogika handicapovaných. Praha: Karolinum, 2000.

KELLER, J. Lidé na okraji spoleènosti. In Speciální pedagogika 2/1998.

KELLER, J. Sociologie byrokracie a organizace. Praha: Sociologické nakladatelství Sociologické nakladatelství, 1996.

Koncepce cinnosti SONS po jejím 2. Celostátním shromázdení. SONS, Praha 1998.

MONATOVÁ, L. Pojetí speciální pedagogiky z vývojového hlediska. Brno: Paido, 1998.

ŠVEC, D. Kvalita zivota a nové moznosti pracovního uplatnení zrakove postizených. Rigorózní práce. Praha : UK, 2002

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