Stabilisierung und/oder Integration - kritische Fragen über Möglichkeiten und Grenzen der Schnittstellenbewältigung
Abstract

Tom Schmid

Unsere Gesellschaft benötigt die Definition und Ausgrenzung “abweichenden Verhaltens” als konstitutives Merkmals ihres inneren Zusammenhalts. Ein Herausfallen aus der Gesellschaft ist jedoch undenkbar, auch die Ausgegrenzten leben in (am Rande) der Gesellschaft, in NIschen, in innerer Zurückgezogenheit oder auffälligem Anderssein oder - nicht zu selten - in Anstalten. Exklusion ist also “Exil innerhalb der Gesellschaft”

Sozialpolitische und sozialarbeiterische Strategien setzen hier an, um Ausgrenzungen zu überwinden, wiewohl sie wissen, dass Gesellschaft ohne Ausgrenzung nicht denkbar ist. Sozialpolitik ist politisch und ökonomisch determiniert, verfolgt einen umfassenden Anspruch und ist in Methoden wie Instrumenten begrenzt. Sie entwickelt sich in diesem Widerspruchsfeld, verschiedenen gesellschaftlichen Interessen (den Interessen gesellschaftlicher AkteurInnen) folgend.

Die Hauptaufgabe gesellschaftlicher Sozialpolitik ist die Stabilisierung “normaler” Lebensläufe gegenüber den “sicheren” Risken Bildung (Strukturierung des Lebenslaufes), Alter und Pflegebedarf sowie unsicheren Risken wie Krankheit, Arbeitslosigkeit oder Armut. Kampf gegen Armut ist ein Bereich der Sozialpolitik, aber (zumindest in entwickelten Ländern) nicht ihr wichtiger, der “Defizitdiskurs der Sozialpolitik” kann daher ihren umfassenden Anspruch gefährden und bildet somit ein neoliberales Einfallstor im sozialpolitischen wie sozialarbeiterischen Diskurs.

Der im Behinderungsdiskurs entwickelte Integrationsbegriff als unteilbare, ganzheitliche, diskurs- und klientInnenorientierte Integration, die die ExpertInnenschaft der KlientInnen akzeptiert und das “Recht auf Anderssein” einschließt, sollte dahingehend überprüft werden, wie weit er als allgemeine sozialpolitische und sozialarbeiterische Strategie zur Überwindung gesellschaftlicher Exklusion entwickelt werden könnte. Dabei muss Integration sowohl Betroffenen-Mainstreaming wie Gender Mainstreaming einschließen.

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