Sozialpädagogische Hilfen zur Erziehung als Beitrag der öffentlichen Jugendhilfe in Deutschland zur beruflichen Förderung und Integration psychosozial benachteiligter Jugendlicher
Günter Osterer

Mit Hilfe von drei exemplarischen Formen der Hilfe zur Erziehung auf der Grundlage des Achten Buches Sozialgesetzbuch ( SGB VIII ) sollen die Möglichkeiten der öffentlichen Jugendhilfe zur beruflichen und psychosozialen Förderung von Jugendlichen dargestellt werden.

Diese Formen der Hilfe zur Erziehung werden anhand konkreter Fallbeispiele aus der sozialpädagogischen Praxis der öffentlichen Jugendhilfe zunächst illustriert und veranschaulicht und anschließend nach sozialpädagogischen Inhalten und Zielstellungen analysiert.

Folgende Hilfearten sollen vorgesellt werden :
1)    Die sozialpädagogische Familienhilfe
2)    Die intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung
3)    Das sozialpädagogisch betreute Wohnen für junge Menschen

Zu 1)    Kurzbeschreibung der sozialpädagogische Familienhilfe
Die sozialpädagogische Familienhilfe gemäß § 31 SGB VIII ist eine relativ intensive, langfristige und umfangreiche Form ambulanter Hilfe zur Erziehung.
Die sozialpädagogischen Fachkräfte bearbeiten und modifizieren in enger Zusammenarbeit mit dem Familiensystem im Rahmen eines dreistufigen Phasenmodells kontinuierlich erzieherische Problemlagen, Problemkomplexe der alltäglichen Lebensbewältigung der Familienmitglieder, Probleme im Umgang mit Ämtern und Behörden und konflikthafte innerfamiliäre Beziehungen.

Die sozialpädagogische Familienhilfe trägt dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" Rechnung, sie mobilisiert Ressourcen, Selbsthilfepotentiale und Schutzfaktoren innerhalb des Familiensystems und in dessen sozialem Umfeld.

Zu 2)    Kurzbeschreibung der intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung
Die intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung gemäß § 35 SGB VIII ist eine flexible Hilfe zur Erziehung mit intensiver Betreuungsdichte für junge Menschen, die aufgrund besonderer psychosozialer Problemlagen eine längerfristige und intensive sozialpädagogische Betreuung zur Bewältigung ihrer meist krisenhaften Lebenssituationen benötigen.

Das Betreuungsarrangement sowie die sozialpädagogischen Betreuungsinhalte und die Methodik passen sich den individuellen Notwendigkeiten und Voraussetzungen des Klienten in seiner jeweiligen Lebenssituation an und zeichnen sich durch ein hohes Maß an Flexibilität aus.

Die intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung setzt an den individuellen Stärken und Ressourcen des Klienten an, längerfristige Zielsetzungen sind die soziale Integration, eine eigenverantwortliche Lebensführung, die psychosoziale Stabilisierung und die Entwicklung beruflicher Perspektiven der jungen Menschen.

Diese Zielsetzungen können in der Regel nur schrittweise und durch Modifikationen der Betreuungsinhalte und der Methodik während des Entwicklungs- und Betreuungsverlaufs erreicht werden.

In vielen Fällen kommt die intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung auch in Verbindung mit der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte oder von einer seelischen Behinderung bedrohter junger Menschen in Betracht, da sie aufgrund ihrer Betreuungsintensität und flexiblen Methoden auch eine geeignete Hilfeform für diese Zielgruppe darstellt.

Als eine spezielle Methode der intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung soll auch die individualpädagogische Intensivbetreuung für Jugendliche im Ausland behandelt werden.

Zu 3)    Kurzbeschreibung des sozialpädagogisch betreuten Wohnens für junge Menschen
Eine Variante der klassischen Heimerziehung ist das sozialpädagogisch betreute Wohnen gemäß § 34 SGB VIII.

Diese vollstationäre Jugendhilfemaßnahme ist konzipiert für Jugendliche und junge Volljährige, die nicht mehr im Rahmen der Gruppenpädagogik in einer vollstationären Einrichtung betreut werden, sondern bereits eine eigene, in der Regel vom Träger der freien Jugendhilfe angemietete Wohnung bezogen haben und noch sozialpädagogische Unterstützung in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und beim Aufbau einer eigenständigen Lebensführung benötigen.

Diese Form der Hilfe zur Erziehung soll den psychosozialen und beruflichen Verselbständigungsprozess der jungen Menschen fördern, die Verselbständigung vorbereiten und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung befähigen.

Betreuungsabläufe, Betreuungsintensitäten, Betreuungsinhalte, perspektivische Zielsetzungen und Methodik orientieren sich an der individuellen Bedürfnislage, der psychosozialen Situation und des Selbständigkeitsniveaus des jungen Menschen.

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